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Tag eines Texters

Nun ja, wenn Sie mich so direkt fragen, der Tag eines Texters ist ungefähr so aufregend wie ein Flirt am Ballermann. Alle sehen gleich aus und keiner hat etwas zu sagen, was einen bewegt über den Sinn des Lebens nachzudenken. Dies erscheint mir jedenfalls sinnvoller als mich einer Menschenmenge zu stellen, die meint mich nach 3 Eimern Sangria anbaggern zu müssen. Ich bin der Meinung, Texter brauchen ihre Ruhe und sehen nur zu um Input zu finden. Wobei das Zusehen einem auch schon mal übel genommen wird. Vor allem am Ballermann. Wobei ich ja sagen muss, eine ständig herumflanierende Blondine mit einer 5 km Alkoholfahne ist nicht wirklich so der Hingucker, eher so etwas wie eine geistige Schlaftablette. Aber wie ich schon sagte, der Tag eines Texters ist hart. Zumindest hart im Nehmen.

In der Regel steht man gegen 15:00 auf, man versucht es zumindest. Auch wenn jetzt wieder einige meckern werden, es ist nicht leicht, nach 3 Flaschen Rotwein in der Nacht, morgens aus dem Bett zu kriechen. Irgendwie kommt man sich immer leicht strubbelig im Hirn vor. Habe gehört, Kaffee soll helfen. Scheinbar ist meine 3 Liter Kanne wohl zu klein.

Nun gut, man hat sich vom Bett getrennt, schweren Herzens (Schatz ich liebe dich immer noch und komme sicher wieder). Irgendwie sieht die Wohnung aus, als wenn hier heute Nacht eine Party war. Doch ich kann mich an nichts erinnern.

Frisch gestärkt mit 3 Liter Kaffee und einigen Fluppen geht man locker in den Tagesablauf herein. Laufe mit tränenden Augen runter und durch den Flur. Hmm die Tageszeitung sieht mal wieder aus, als hätte sie der Nachbar schon gelesen. Ich hasse sowas! Aber bin eigentlich noch zu müde um dort an zu schellen. Mache ich morgen aber ganz sicher. Schließlich bin ich der Erste, der über die Tagesthemen texten muss.

Nun gut, ich bin kein großer Texter, schreibe Werbebriefe und Texte, Kolumnen für größere Zeitungen oder Internetportale, nebenher als Schriftsteller unterwegs. Manchmal auch als Ghostwriter. Schreibe also auch für Menschen, die selber nicht so die Zeit haben zu schreiben. Ich habe die Zeit und ich kann schreiben. Also denke ich mir, ich helfe denen mal. Nun ja, man steht spät auf, hat aber direkt ein gutes Werk getan. Hat auch was, oder?

Nachdem ich dann gegen 18:00 die Tagespost und die Zeitungen gelesen habe, schau ich mal ins Internet. Auch immer sehr interessant, weil sich Internet Infos und Tagespost ja sehr unterscheiden. Man blickt da selber nicht mehr durch.

Man beginnt dann so den Tagesablauf. Blogs auf Bestellung werden fertig gemacht. Oje die Kolumne für die Tageszeitung muss ja auch noch fertig. An die Biografie für XXX hab ich noch gar nicht gedacht. Aber sagen wir mal so, der Tag hat halt nur 24 Stunden. Da soll ich an einer Biografie über 80 Jahre nun jeden Tag was schreiben? Das überleg ich mir dann morgen.

Na was kommt denn da noch rein? Pressetexte für die WILD-es Tagesblatt. Das bringt gut Kohle. Also erstmal alles andere wech vom Tisch. Der Tag ist ja noch lang. Glaube ich zumindest. Man kann sich ja auch täuschen. Ich sag`s mal so, die letzte Nacht hab ich auch mit 3 Gläsern Barolo irgendwie schreibtechnisch überstanden. Eigentlich geht’s mir gut!

Nun gut, der Dreck ist weg vom Tisch und irgendwie scheint da jemand aus dem Schlafzimmer zu rufen „Hey Schatz, man kann es auch übertreiben und außerdem ist mir kalt“. Ich bin sofort geneigt den menschlichen Bedürfnissen so eine Art Vorrang zu bieten. Letztendlich komme ich da auch meinen eigenen Bedürfnissen entgegen. Ich muss pinkeln und bin müde. Aber da ist noch der Internetfluch. Gerade als ich gegen 3:15 des Nachts den PC ausstellen will kommt dieses Glöckchen aus dem E-Mail Programm, welches mir sagen will, das ich dringende Post bekommen habe.

Irgendetwas in mir sagt mir, fass es nicht an und geh schlafen. Doch links unten am PC ist dieses Bildchen, welches mir sagt, da ist was für dich da!!! Ich gebe mich geschlagen und sehe hinein. Oh, ein Auftrag für einen Werbetext.

Nun stellt sich mir die Frage, gebe ich der Versuchung nach einen Werbetext zu schreiben, oder höre ich auf die süß flüsternde Stimme im Hintergrund? Wenn ich ehrlich bin, eigentlich schläft sie eh bald ein und ich habe trotzdem die Gewissheit, ganz bald neben ihr zu liegen. Ich muss nur noch ganz schnell etwas erledigen.

Nur eine Stunde später habe ich einen Werbetext für ein weltweites Unternehmen geschrieben. Bei diesem Thema habe ich eigentlich nur ans Bett gedacht. Ich sag`s mal so, wer könnte sich nichts Besseres vorstellen als einen Werbetext für „hitzebeständige Rohstoffe“ zu erstellen? Musste ja selbst erstmal schauen, was das ist. Nun ja, für das Unternehmen war der Werbebrief sehr gut. Gut für mich war, dass ich im Bett meiner Frau zuflüstern konnte, nun 2 Monate nicht mehr arbeiten zu müssen, weil ich in diesen Stunden in der Nacht unseren lang ersehnten Urlaub gesichert habe.

Es gibt Nächte, die sind kurz, ermöglichen es aber trotzdem Zeit, Raum und Ruhe zu schaffen. Eigentlich ist es ganz leicht. Man verzichtet im richtigen Augenblick auf eine Minute. Geschenkt bekommt man dafür eine kleine Ewigkeit. Ich möchte darauf nicht verzichten.

Ich gehe jetzt in Ruhe schlafen und freue mich auf einen schönen Urlaub, mit dem ich eigentlich nicht gerechnet hätte. Eine Sekunde und eine Entscheidung kann schon ein Leben verändern.